STEREO-PHOTOGRAPHIE (3D)

Die Stereo- bzw. 3D-Photographie hat mich schon seit langer Zeit ganz besonders fasziniert. Ich bin auf die Idee gekommen, das mal auszuprobieren, als ich wieder mal, wie so oft, ein Motiv vor mir hatte, bei dem ich schnell wusste: Nein, das kann man im Bild nicht widergeben, weil die Räumlichkeit verloren geht und nichts im Bild das Auge des Betrachters führt. Ich habe das Motiv dann einfach mal in zwei leicht versetzten Bildern abgelichtet und sofort gemerkt, 3D-Photographie ist keine Hexerei. Sie funktioniert sehr gut, sogar ohne größeren Aufwand und ganz ohne Hilfsmittel. Schnell hatte ich fantastische Bilder mit räumlicher Tiefe, erstaunlicher Schärfe und enormer Detailgenauigkeit.
Die Betrachtung der Bilder auf dem Monitor oder Tablet (auf dem Smart-Phone geht es leider nicht) erfordert vorab aber noch eine kleine Einführung:

Um den 3D-Effekt zu erreichen fotografiere ich zwei ekakt gleiche Bilder im Augenabstand, d.h. die Positionen der Kamera liegen 6-7 cm horizontal auseinander. Am Computer-Monitor stelle ich dann die beiden Fotos nebeneinander, wobei das Bild des rechten Auges links und das des linken Auges rechts steht. Dann gucke ich über Kreuz auf die Bilder, das linke Auge auf das rechte und das rechte Auge auf das linke Bild. Das ist viel einfacher als sich das zunächst anhört und auch vollkommen unschädlich für die Augen, denn das ist nichts Anderes als eine Einwärtsstellung der Augen (Innenschielen), die wir alle ständig vornehmen, wenn wir in etwa 30 cm lesen.

Eine kleine Anleitung für diejenigen, die das nicht spontan hinkriegen: Eins der beiden ersten hier dargestellten Bildpaare auf mittlere Monitorhöhe scrollen. Dann den Betrachtungsabstand etwas vergrößern, ich empfehle etwa 90 cm bei mittlerer Monitor- bzw. Darstellungsgröße (am Tablet ungefähr die Hälfte). Wichtig ist am Anfang, dass man mittig vor dem Monitor sitzt und den Kopf gerade hält. Jetzt den Daumen am ausgestreckten Arm (bzw. halb ausgestreckten Arm am Tablet) mittig zwischen beide Bilder halten. Den Daumen sieht man doppelt, wenn man weiter auf die Bilder guckt, guckt man auf den Daumen, sieht man schon, wie sich die Bilder im Hintergrund verschieben. Jetzt auf den oberen Rand der Daumenspitze gucken und dabei den Daumen langsam näher an die Augen heran führen, bzw. auf die Nase zu. Den Daumen muss man dabei einfach sehen. Im Hintergrund erkennt man, wie sich die meist noch unscharfen Bilder weiter ineinander verschieben, der Daumen muss dabei mittig vor dem in der Mitte entstehenden Bild geführt werden. Solte beim Vorgang des Ineinanderschiebens der beiden Bilder ein Höhenunterschied auftreten, muss man den Kopf leicht nach rechts oder links neigen, bis man durch gerade Kopfhaltung den Höhenunterschied ausgeglichen hat. Wenn die beiden Bilder zur Deckung gebracht sind (das wird bei einem Daumen-Augen-Abstand von etwa 30 cm der Fall sein), den Daumen wegnehmen. Dabei mit den Augen aber auf dem mittleren der drei Bilder bleiben, die man jetzt sieht. Das ist das Bild, das aus der Verschmelzung der beiden Einzelbilder entstanden ist.

Das Bild wird jetzt langsam schärfer, weil die Augen automatisch auf die neue Entfernung fokusieren, da sie vorher ja auf die Entfernung des Daumens fokusiert waren. Die Augen fokusieren dabei deutlich langsamer als ein guter Autofokus einer Kamera. Das am Anfang immer noch Ungewohnte ist, dass die Augenstellung immer noch auf die ca. 30 cm (zum Daumen) eingestellt ist, die Schärfeeinstellung (die Fokusierung) der Augen aber auf die Monitorentfernung von ca. 90 cm. Daran gewöhnen sich die Augen aber schnell und es geht mit der Zeit immer besser, bald auch ohne Zuhilfenahme des Daumens und in geringeren Abständen bis hin zum gewohnten Arbeitsabstand zum Monitor. Man kann dann auch bei fixierter Augenstellung von 3D-Bild zu 3D-Bild scrollen. Nochmal: Für die Augen und das Sehen ist das vollkommen unschädlich.

Das Ergebnis ist ein fantastisches Bild mit räumlicher Tiefe, auf dem man viel mehr Einzelheiten in verblüffender Schärfe erkennt als auf dem vergleichsweise stumpfen und flachen zweidimensionelen Bild. Mit zwei Augen sieht man wegen der räumlichen Staffelung eben deutlich mehr als mit einem. Ich jedenfalls bin von den Bildern begeistert, sie sind wirklich eine Augenweide. Wenn ich mir eine Reihe von 3D-Bildern anschaue, mag ich die anderen, flachen Bilder gar nicht mehr sehen.